Absolutes Risiko vs. nominales Risiko: Das tatsächliche Risiko eines Trades verstehen
Absolutes Risiko vs. nominales Risiko: Das tatsächliche Risiko eines Trades verstehen
Das Verständnis von Risiko gehört zu den wichtigsten Aspekten des Tradings. Ein Trader kann ein interessantes Setup identifizieren, einen Buy Point finden, einen Stop Loss festlegen und ein mögliches Kursziel bestimmen. Dennoch gibt es ein Detail, das leicht übersehen wird: der Unterschied zwischen dem Risiko, das auf Grundlage des geplanten Einstiegspreises berechnet wird, und dem Risiko, das auf dem tatsächlichen Ausführungspreis des Trades basiert.
Dieser Unterschied kann das tatsächliche Risiko eines Trades verändern.
Bei der Analyse eines Trading Setups wird der Einstiegspreis normalerweise durch ein bestimmtes Kursniveau oder eine Zone im Chart dargestellt. Von diesem Niveau aus kann der Trader die Entfernung zum Stop Loss berechnen und den möglichen prozentualen Verlust einschätzen, falls das Setup nicht wie erwartet funktioniert. Diese Referenz ist hilfreich, um verschiedene Trading Möglichkeiten miteinander zu vergleichen.
Dies kann als nominales Risiko verstanden werden.
Das nominale Risiko wird normalerweise auf Grundlage des geplanten Einstiegspreises oder eines Referenzpreises berechnet. Wenn ein Setup beispielsweise einen Einstieg bei 100 Dollar und einen Stop Loss bei 95 Dollar vorsieht, beträgt das nominale Risiko 5 Prozent. Die Berechnung ist einfach: Der Abstand zwischen Einstiegspreis und Stop Loss beträgt 5 Dollar, also 5 Prozent des Einstiegspreises von 100 Dollar.
Die Berechnung verändert sich jedoch, wenn der tatsächliche Ausführungspreis nicht genau dem geplanten Einstiegspreis von 100 Dollar entspricht.
Unter realen Marktbedingungen kann der Preis, zu dem ein Trade ausgeführt wird, von dem ursprünglich im Chart identifizierten Preis abweichen. Gründe dafür können Marktvolatilität, Liquidität, Spread, die Orderausführung oder Slippage sein. Wenn die Position beispielsweise tatsächlich bei 102 Dollar eröffnet wird, während der Stop Loss weiterhin bei 95 Dollar liegt, beträgt der Abstand zum Stop Loss nun 7 Dollar.
Das bedeutet, dass sich das auf Grundlage des tatsächlichen Ausführungspreises berechnete Risiko vom ursprünglich anhand des Referenzniveaus berechneten Risiko unterscheidet.
Hier wird das Verständnis des absoluten Risikos besonders wichtig.
Das absolute Risiko betrachtet das tatsächliche Verhältnis zwischen dem Ausführungspreis und dem Niveau, bei dem die Position geschlossen würde, wenn der Stop Loss erreicht wird. Es beschreibt somit das Risiko der Position, wie sie tatsächlich im Markt besteht, und nicht lediglich das Risiko, das anhand eines theoretischen oder geplanten Einstiegspreises berechnet wurde.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Angenommen, ein Trading Setup sieht einen Einstieg bei 100 Dollar und einen Stop Loss bei 95 Dollar vor. Das nominale Risiko beträgt 5 Prozent. Wenn der Trade tatsächlich bei 100 Dollar ausgeführt wird, liegt das absolute Risiko ebenfalls bei ungefähr 5 Prozent, bevor Gebühren und mögliche Ausführungsabweichungen berücksichtigt werden.
Nehmen wir nun an, dass sich der Markt schnell bewegt und der Trade erst bei 102 Dollar ausgeführt wird. Der Stop Loss bleibt bei 95 Dollar. Das nominale Risiko auf Grundlage des ursprünglichen Setups beträgt weiterhin 5 Prozent. Das absolute Risiko, berechnet anhand des tatsächlichen Ausführungspreises, steigt jedoch auf ungefähr 6,86 Prozent.
Der Unterschied mag bei einem einzelnen Trade gering erscheinen. Er kann jedoch erheblich werden, wenn eine solche Situation wiederholt auftritt oder größere Kapitalbeträge eingesetzt werden.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig bei Trading Setups, die Buy Zones und Sell Zones anstelle eines einzigen exakten Einstiegspreises definieren. Ein Chart kann eine Zone anzeigen, in der ein möglicher Einstieg erfolgen könnte. Die tatsächliche Ausführung kann jedoch auf einem anderen Niveau stattfinden, innerhalb oder sogar außerhalb dieser Zone.
Deshalb ist es wichtig, zwischen dem theoretischen Risiko eines Setups und dem tatsächlichen Risiko der Position nach der Ausführung zu unterscheiden.
Die theoretische Berechnung ist während der Analyse vor dem Einstieg besonders nützlich. Sie ermöglicht es dem Trader, verschiedene Setups zu vergleichen, den Abstand zum Stop Loss zu beurteilen und das potenzielle Verhältnis zwischen Risiko und Rendite zu analysieren. Die tatsächliche Berechnung wird nach der Ausführung noch wichtiger, weil sie den Preis berücksichtigt, zu dem der Trader tatsächlich dem Markt ausgesetzt ist.
Betrachten wir ein Beispiel mit einem von Yard Charts identifizierten Setup. Angenommen, die Plattform identifiziert einen potenziellen Buy Point bei 50 Dollar und einen Stop Loss bei 47 Dollar. Das nominale Risiko auf Grundlage des Buy Points beträgt 6 Prozent.
Wenn der Trader bei 50 Dollar einsteigt, entspricht das Verhältnis zwischen Einstiegspreis und Stop Loss der ursprünglichen Berechnung. Die Position weist auf Grundlage des Abstands zwischen Einstieg und Stop Loss ein Risiko von ungefähr 6 Prozent auf.
Nehmen wir nun an, dass sich der Markt bewegt, bevor die Order ausgeführt wird, und die Position schließlich bei 51,50 Dollar eröffnet wird. Der Stop Loss bleibt bei 47 Dollar. Der potenzielle Verlust, berechnet auf Grundlage des tatsächlichen Ausführungspreises, beträgt nun ungefähr 8,74 Prozent.
Das ursprüngliche Setup hat sich nicht verändert. Der Buy Point bleibt das Referenzniveau und der Stop Loss bleibt das technische Invalidierungsniveau. Verändert hat sich jedoch das tatsächliche Risiko des Traders.
Deshalb ist die Ausführung so wichtig.
Ein Trading Setup kann eine klare technische Struktur aufweisen, aber der Markt bestimmt letztendlich den Preis, zu dem ein Trade tatsächlich ausgeführt wird. Die Differenz zwischen diesen beiden Preisen kann die Risikoberechnung und damit auch das tatsächliche Risiko des Kontos beeinflussen.
Das bedeutet nicht, dass jede Abweichung zwischen dem geplanten Einstiegspreis und dem tatsächlichen Ausführungspreis automatisch problematisch ist. Märkte bewegen sich ständig und gewisse Abweichungen sind normal. Entscheidend ist, zu verstehen, was diese Abweichung für die Position bedeutet.
Wenn der Ausführungspreis günstiger als das Referenzniveau ist, kann das tatsächliche Risiko geringer sein. Wenn der Ausführungspreis ungünstiger ist, kann das tatsächliche Risiko steigen.
Wenn ein Setup beispielsweise einen Buy Point bei 100 Dollar und einen Stop Loss bei 95 Dollar aufweist, führt eine Ausführung bei 98 Dollar zu einem geringeren Abstand zum Stop Loss als eine Ausführung bei 102 Dollar. Dasselbe technische Setup kann daher abhängig vom tatsächlichen Ausführungspreis ein unterschiedliches Risikoniveau aufweisen.
Dieser Unterschied wird noch wichtiger, wenn ein Trader verschiedene Setups miteinander vergleicht. Zwei Möglichkeiten können auf Grundlage ihrer jeweiligen Buy Points dasselbe nominale Risiko aufweisen, aber nach der tatsächlichen Ausführung kann das absolute Risiko unterschiedlich sein.
Deshalb sollte das Risiko nicht nur vor einem Trade, sondern auch nach der Eröffnung der Position betrachtet werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Positionsgröße. Trader bestimmen die Größe einer Position häufig anhand eines festgelegten Prozentsatzes ihres Kapitals, den sie bereit sind, in einem einzelnen Trade zu riskieren. In diesem Fall wird der Abstand zwischen dem tatsächlichen Einstiegspreis und dem Stop Loss besonders relevant.
Angenommen, ein Trader verfügt über ein Konto von 10.000 Dollar und möchte 1 Prozent in einem Trade riskieren. Der geplante Risikobetrag würde ungefähr 100 Dollar betragen, bevor Gebühren und Ausführungsabweichungen berücksichtigt werden.
Wenn die Positionsgröße auf Grundlage eines Einstiegs bei 100 Dollar und eines Stop Loss bei 95 Dollar berechnet wird, basiert die Berechnung auf einem Abstand von 5 Dollar pro Einheit. Wird der Trade jedoch tatsächlich bei 102 Dollar ausgeführt, während der Stop Loss bei 95 Dollar bleibt, erhöht sich der Abstand auf 7 Dollar pro Einheit. Wenn die ursprüngliche Positionsgröße unverändert bleibt, ist der potenzielle Verlust höher als ursprünglich berechnet.
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen geplantem Risiko und tatsächlicher Risikoexposition.
Eine Plattform wie Yard Charts kann Trader dabei unterstützen, technische Niveaus, Chartmuster sowie mögliche Buy Points oder Sell Points zu identifizieren. Nachdem ein Setup erkannt wurde, entscheidet jedoch der Markt darüber, wie sich der Trade tatsächlich entwickelt. Ein Signal oder ein Muster kann eine Grundlage für die Analyse liefern, während der tatsächliche Ausführungspreis bestimmt, welche Position der Trader wirklich im Markt hält.
Dasselbe Prinzip gilt für Sell Points und Short Positionen. Stellen wir uns ein Setup mit einem Referenz Sell Point bei 200 Dollar und einem Stop Loss bei 210 Dollar vor. Das nominale Risiko beträgt 5 Prozent.
Wenn die Short Position tatsächlich bei 198 Dollar ausgeführt wird, beträgt der Abstand zum Stop Loss 12 Dollar. Das entspricht ungefähr 6,06 Prozent, wenn das Risiko auf Grundlage des tatsächlichen Ausführungspreises berechnet wird. Das technische Setup ist weiterhin dasselbe, aber die tatsächliche Risikoexposition hat sich verändert.
Deshalb sollte ein Trader den in einem Chart dargestellten Prozentsatz nicht als absolute Garantie für das endgültige Risiko einer Position betrachten. Ein Prozentsatz, der auf Grundlage eines Referenz Einstiegspreises berechnet wird, ist hilfreich, um das Setup zu verstehen, stellt aber nicht zwangsläufig das tatsächliche Risiko nach der Ausführung dar.
Letztlich beschreibt der Unterschied zwischen nominalem und absolutem Risiko die Differenz zwischen dem geplanten Risiko und dem tatsächlichen Risiko einer Position.
Das nominale Risiko beantwortet die Frage: „Wie viel könnte ich bei diesem Setup potenziell verlieren, wenn ich vom Referenz Einstiegspreis und dem Stop Loss ausgehe?“
Das absolute Risiko beantwortet eine etwas andere Frage: „Wie hoch ist das tatsächliche Risiko dieser Position unter Berücksichtigung des tatsächlichen Ausführungspreises und des Stop Loss?“
Beide Berechnungen sind nützlich, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen.
Das nominale Risiko ist besonders während der Analysephase hilfreich. Es ermöglicht dem Trader, verschiedene Möglichkeiten zu vergleichen und zu beurteilen, ob ein Setup zur eigenen Strategie passt. Das absolute Risiko wird nach der Ausführung wichtiger, weil es die Position widerspiegelt, die tatsächlich im Markt besteht.
Das Verständnis dieses Unterschieds kann Tradern auch dabei helfen, Trading Alerts und Chart Signale besser zu interpretieren. Wenn eine Plattform eine potenzielle Gelegenheit identifiziert, sollte der angezeigte Einstiegspreis als Referenz für das Setup betrachtet werden. Der tatsächliche Trade kann jedoch abhängig von den Marktbedingungen zu einem anderen Preis ausgeführt werden.
Aus diesem Grund kann Risikomanagement nicht von der Ausführung getrennt betrachtet werden.
Ein Trader kann einen klar definierten Einstiegspunkt, einen technisch relevanten Stop Loss und ein interessantes Kursziel haben. Das endgültige Risiko hängt jedoch immer von der tatsächlich eröffneten Position ab. Der Markt bewegt sich weiter, während eine Order verarbeitet wird.
Für Anfänger ist diese Unterscheidung besonders wichtig, weil sie dabei hilft, Risiko realistischer zu verstehen. Risiko ist nicht einfach ein Prozentsatz, der neben einem Setup angezeigt wird. Es beschreibt die Beziehung zwischen dem tatsächlichen Einstiegspreis, dem Stop Loss, der Positionsgröße und dem eingesetzten Kapital.
Wenn all diese Faktoren gemeinsam betrachtet werden, entsteht ein genaueres Bild der tatsächlichen Position.
Mit Yard Charts können Trader den identifizierten Buy Point oder Sell Point als Ausgangspunkt für die Analyse eines Setups verwenden. Der Stop Loss und ein mögliches Target können anschließend helfen, das theoretische Risiko und das mögliche Renditepotenzial der Gelegenheit zu verstehen. Nach der Ausführung sollte jedoch der tatsächliche Einstiegspreis berücksichtigt werden, um die reale Risikoexposition der Position zu beurteilen.
In manchen Situationen kann der Unterschied sehr gering sein. In anderen, insbesondere bei hoher Marktvolatilität, kann er deutlich größer ausfallen.
Das Ziel besteht nicht darin, jede Abweichung zwischen dem geplanten und dem tatsächlich ausgeführten Preis zu vermeiden. In einem Markt, der sich ständig bewegt, ist das nicht immer möglich. Entscheidend ist, diese Differenz zu verstehen und in die Risikobewertung einzubeziehen.
Trading basiert auf Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheit. Ein Setup beschreibt ein mögliches Szenario, keine Garantie. Ein Buy Point zeigt einen möglichen Einstieg, ein Stop Loss definiert ein technisches Invalidierungsniveau und ein Target bezeichnet eine mögliche Ausstiegszone. Der tatsächliche Ausführungspreis verbindet diese theoretischen Ebenen mit der Position, die tatsächlich im Markt besteht.
Das Verständnis von nominalem und absolutem Risiko schafft eine klarere Verbindung zwischen technischer Analyse und der Realität des Marktes.
Je besser ein Trader den Unterschied zwischen dem geplanten Setup und der tatsächlich ausgeführten Position versteht, desto genauer kann er seine Risikoexposition beurteilen. Dies ist besonders relevant, wenn mehrere Positionen verwaltet, Positionsgrößen angepasst oder verschiedene Möglichkeiten in unterschiedlichen Märkten verglichen werden.
Risikomanagement beginnt vor der Eröffnung einer Position, endet dort aber nicht.
Ein umfassender Ansatz berücksichtigt das Setup, den Referenz Einstiegspreis, den tatsächlichen Ausführungspreis, den Stop Loss, die Positionsgröße und das eingesetzte Kapital. Wenn all diese Faktoren gemeinsam betrachtet werden, geht der Trader über die einfache Frage hinaus, ob ein Trade interessant erscheint, und beginnt zu verstehen, welches Risiko tatsächlich mit dieser Position verbunden ist.
Literaturverzeichnis
CME Group. “Order Types and Execution.” CME Group Education.
CME Group. “Managing Risk with Stop Orders.” CME Group Education.
Fidelity Investments. “Trading Basics: Understanding Risk and Position Size.” Fidelity Learning Center.
Investopedia. “Slippage: What It Is, How It Works, and How to Minimize It.” Investopedia.
Murphy, John J. Technical Analysis of the Financial Markets. New York Institute of Finance, 1999.
Stephanie Vasconcellos
Marketing Strategist
Disclaimer: Yard Charts bietet technische Analysetools und Benachrichtigungen. Dies ist keine Anlageberatung. Der Handel birgt das Risiko von Verlusten.